06.01.2020 - 14:50

10 Fragen an Helena Dyck, „Botschafterin der Pflege 2019“

Im März 2019 wurde die Gesundheits- und Krankenschwester Helena Dyck als „Botschafterin der Pflege 2019“ geehrt. Die 23-Jährige arbeitet bei der RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm gGmbH. Gestiftet wird die Auszeichnung seit 2018 von der BVUK. Gruppe. Wir sprachen mit Helena Dyck über ihr neues Leben als „Botschafterin der Pflege“.

1. Wie lebt es sich als preisgekrönte „Botschafterin der Pflege 2019“? Ist es eher Lust oder Last?
Es ist nach wie vor noch eine sehr große Ehre für mich. Zwar ist es nicht immer einfach, doch ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar für die vielen Eindrücke und das neue Wissen, welches ich sammeln kann.

2. Wie sind Ihre Erfahrungen, trägt der Preis dazu bei, mehr öffentliche Aufmerksamkeit für den Pflegeberuf zu erzeugen?
Auf jeden Fall! Es ist erstaunlich, wie viel positives Feedback es gab und auch wozu man andere inspirieren kann. Durch den Preis ergab sich mir die Möglichkeit, den Pflegebedarf auf einer neuen Ebene anzusprechen.

3. Welche Verpflichtungen ergaben sich für Sie als Preisträgerin?
An sich war der Preis mit keinen Verpflichtungen gekoppelt, jedoch habe ich den Preis zu einem „Beruf“ weiterentwickelt, und in diesem Berufsbild sah ich es als meine Pflicht an, ein Vorbild zu sein. So habe ich versucht, weitestgehend alle Anfragen abzuarbeiten und meiner Rolle als Repräsentantin der Pflege gerecht zu werden. Was nicht immer einfach ist, da eine Person für ganz Deutschland sehr wenig ist.

4. Ihren Berufswunsch, Krankenschwerster zu werden, hatten Sie bereits seit der 6. Klasse. Wie kam es dazu? 
Wie genau sich dieser Wunsch geäußert hat kann ich gar nicht genau sagen, aber durch meine Schuleinsätze erlebte ich den Ablauf im Krankenhaus und ich war sofort begeistert. Bis heute interessieren mich die Geschichte der Krankenpflege, die Entwicklung der Medizin und die vielen Möglichkeiten, welche dieser Beruf mit sich bringt. Er hat mich einfach in seinen Bann gezogen und seitdem nicht mehr losgelassen.

5. Sie machen Schülern und Praktikanten die Arbeit in der Pflege schmackhaft. Wie tun Sie das konkret? 
Ich habe in meiner Klinik einen „Proud to be a Nurse“-Tag veranstaltet. Dort konnten sich Kinder und Jugendliche über den Beruf informieren und austauschen. Sie durften sogar selbst Hand anlegen bei der Reanimation. Davor bin ich immer mal wieder zu meiner alten Schule gegangen und habe meinen alten Verein der Schulsanitäter besucht und habe dort auch was von meinem Beruf erzählt.

6. Was raten Sie jungen Menschen, die sich für einen Beruf in der Pflege interessieren? 
Verliert niemals den Mut für das einzustehen, was euch wichtig ist. In eurem Leben werden euch immer wieder Menschen begegnen, die nicht eurer Meinung sind. Seht dies nicht als Herausforderung an, sondern als Bereicherung eurer Erfahrung. Eventuell gibt es Tage, an denen man nicht mehr kann und alles nur noch schwarz sieht, doch von irgendwo her wird ein Lichtlein kommen und euch sagen, wie dankbar Er/Sie für eure Hilfe ist. Und diese Erinnerung an das Gefühl der Dankbarkeit soll man sich bewahren und jedes Mal herausholen, wenn man schlechte Tage hat. Der Beruf gibt einem mehr als man denkt. 

7. Im Herbst haben Sie ein berufsbegleitendes Studium aufgenommen. Was genau studieren Sie?
Ich studiere Pflege an der Hochschule in Weingarten. 

8. Studieren Sie, damit Sie danach den Pflegejob auf der Station an den Nagel hängen können? Wie sieht Ihre Zukunftsplanung in Ihrem Beruf aus?
Diese Frage höre ich nach der Frage, ob ich Ärztin werden will, am häufigsten. Nein ich will meinen Beruf nicht an den Nagel hängen. Ich studiere, um mich persönlich weiter zu entwickeln und mich aktiver und effizienter in der Pflege zu beteiligen. Ich möchte dem Berufsbild helfen und später einmal Lehrerin werden, ich möchte die Vorgänge und Entscheidungen besser verstehen können. Und als Lehrerin will ich
trotzdem noch einen gewissen Prozentsatz auf Station arbeiten. Immerhin will ich ja meinen Schülern keinen Schmarrn erzählen. Wenn man etwas unterrichtet, sollte man den Bezug dazu ja schließlich nicht verlieren.

9. Sie hatten als „Botschafterin der Pflege“ diverse Kontakte zu Spitzenpolitikern. Welche Empfehlung würden Sie Gesundheitsminister Spahn geben?
Ich würde es mir nicht anmaßen, irgendjemandem eine Empfehlung zu geben. Zwar durfte ich viele Politiker kennenlernen und konnte so auch einen Einblick in das System gewinnen, jedoch ist dieses zu komplex, als dass eine 23-Jährige meinen könnte, sie hätte Ideen, etwas daran besser zu machen. Ich könnte lediglich anbieten, ihm meine Eindrücke und Erfahrungen zu schildern. Immerhin geben mir ja
sehr viele Krankenhäuser, Schulen und Einrichtungen ihre Sorgen und Ideen weiter, diese könnte ich ihm gerne mitteilen.

10. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Zusammenhang zwischen der Kerntätigkeit der BVUK. Gruppe (betriebliche Altersvorsorge und Absicherung gegen Berufsunfähigkeit), die Ihren Preis gestiftet hat, und Ihrer tagtäglichen Arbeit in der Pflege?
Selbstverständlich. Wir in der Pflege betreiben so gesehen auch eine Altersvorsorge bei unseren Patienten. Da der größte Teil schon etwas älter ist. Und wir stehen beratend sowie unterstützend zur Seite. Genau wie die BVUK. Okay das klingt jetzt nach einem billigen Werbeslogan, es ist aber so. Zudem muss man sich auch in der Krankenpflege gut absichern für den Fall einer Berufsunfähigkeit. Ab und zu reicht eine falsche Handlung und du kannst deinen Beruf nicht mehr ausüben. Da ist es immer gut zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich um dich kümmert.

Preisträgerin Helena Dyck und Stefan Kühn, Mitglied der Geschäftsleitung der BVUK. Gruppe

Preisträgerin "Botschaft der Pflege 2019" Helena Dyck und Stefan Kühn, Mitglied der Geschäftsleitung der BVUK. Gruppe

„Durch den Preis ergab sich mir die Möglichkeit, den Pflegebedarf auf einer neuen Ebene anzusprechen“

Über die Preisträgerin

Helena Dyck (22) ist seit zweieinhalb Jahren als Gesundheits- und Krankenschwester sowie Stroke Nurse bei der RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm gGmbH tätig. Ausschlaggebend waren für die Jury folgende Punkte: Erstens: Helena Dyck hat sich trotz ihres jungen Alters binnen kurzer Zeit zu einer absoluten Leistungsträgerin auf ihrer Station entwickelt, die sehr patienten- und teamorientiert und vor allem begeistert von ihrem Beruf ist. Zweitens: Mit dieser Begeisterung engagiert sie sich aktiv für den Nachwuchs in der Pflege. Sie kümmert sich um interessierte Schüler und betreut Auszubildende und Praktikanten. Drittens: Parallel zu ihrer pflegenden Tätigkeit wird Helena Dyck demnächst ein berufsbegleitendes pflegewissenschaftliches Studium aufnehmen. Mit dem Ziel, sowohl weiterhin als Pflegekraft zu arbeiten als auch als Dozentin künftige Generationen von Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern auszubilden.

Dieses Interview wurde zuerst hier von der BVUK. veröffentlicht.