17.01.2020 - 15:27

Flexibilität in der Dienstplanung ist keine Einbahnstraße

Der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen hat verschiedene Ursachen: Eine geringe Berufsverweildauer der Pflegekräfte ist sicherlich eine der wesentlichen. Unter den Gründen für einen vorzeitigen Berufsausstieg, der auf ein hohes Maß an Unzufriedenheit im Beruf schließen lässt, liegt der Bereich der Arbeitszeitgestaltung noch vor der Begründung der unzureichenden Bezahlung. Dies verdeutlicht die hohe Belastung der Pflegekräfte durch die Arbeit im Schichtdienst und die daraus resultierenden gesundheitlichen und sozialen Nachteile.

Über den Autor

Jörg Benter
M.A.Organisationsentwicklung
Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie
Arbeitszeitmanagement und -beratung und Seminare, Dienstplan-EDV
Aktuell Projektleiter des strategischen Projektes „Neuausrichtung Dienstplan-EDV“ der Uniklinik Köln 

Dienstplanung: Ein Geben und Nehmen  

Bei Schichtarbeitern kommt der Verlässlichkeit des Dienstplans eine große Bedeutung zu. Wenn schon zu ungünstigen Zeiten gearbeitet werden muss, dann wüsste man gerne „an welchen Tagen“ und in welcher „Schicht“. Gerade in der Industrie ist dies mit lange im Voraus veröffentlichten Rahmendienstplänen oft gegeben. Auch bei Feuerwehren ist es schlecht vorstellbar, dass nur kurze Vorlaufzeiten für die veröffentlichten Dienstpläne bestehen – hier sind es bis zu 12 Monate. In vielen Krankenhäusern und Einrichtungen der Langzeitpflege jedoch wird mit kurzen Vorlaufzeiten und ohne feste Rahmendienstpläne gearbeitet. Zum Teil erscheinen die Dienstpläne für den Folgemonat erst zwei Wochen vor Inkrafttreten. Der Rahmendienstplan findet nur wenig Verbreitung, weil viele Pflegekräfte die Möglichkeiten ihre ganz persönlichen Dienstwünsche anzugeben, nicht missen möchten. Im Hinblick auf möglichst wenig gesundheitsschädliche und für alle sozialverträgliche Schichtfolgen haben diese „Wunschdienstpläne“ häufig eher negative Auswirkungen. Einmal aufgestellt, sollten allerdings auch Wunschpläne verbindlich sein und nicht mehr geändert werden. 

Sollplan = Istplan? 

Wohl kaum. Wie sicherlich alle im Gesundheitswesen tätigen wissen, funktioniert das eigentlich … nie! Das Thema nimmt seinen Anfang mit spontan aufkommenden privaten Wünschen, über Umschichtungen wegen hohem oder niedrigem Patientenaufkommen, Personalausfall wegen Fortbildung, externen Terminen und natürlich zum großen Teil durch Erkrankung von Pflegekräften, die dann Lücken in den Dienstplan reißen. 

Der tägliche Ausfall – Das Fass ohne Boden 

Die Zeiten, wo solche Lücken im Stationsbetrieb durch das, in der Schicht verplante Personal aufgefangen werden konnten, in dem weniger wichtige Arbeiten einfach liegengeblieben sind und das vorhandene Personal dann ausreichte, sind schon lange vorbei. Die Rationalisierung und der Stellenabbau beim Pflegepersonal haben dazu geführt, dass die Normalbesetzung auf den Stationen eigentlich die Minimalstbesetzung ist, die benötigt wird, damit kein Patient zu Schaden kommt. Es ist Kostenträgerseitig nicht vorgesehen, dass sogenanntes „Vorhaltepersonal“ auch refinanziert wird (Man stelle sich einmal vor: Wir rationalisieren die Berufsfeuerwehren soweit, dass jeder im Dienst befindliche Feuerwehrmann auch immer einen Brand zum Löschen hat).

Ausfallmanagement  

Nun beginnt der Verschiebebahnhof innerhalb des genehmigten Dienstplanes, den arbeitsrechtlich eigentlich kaum eine Pflegekraft mit sich machen lassen muss. Denn haben Sie gewusst: Mit der Genehmigung des Dienstplanes hat der Arbeitgeber sein Direktionsrecht verwirkt und darf den Plan nicht mehr ändern. Es ist also auch im Interesse der Arbeitgeber, verlässliche Dienstpläne aufstellen zu können. Bei der geforderten Flexibilität ist auf ein ausgeglichenes „Geben und Nehmen“ zu achten, möchte er sich, bei der knappen Ressource Pflegepersonal, zufriedene Pflegekräfte erhalten. 

Deshalb kommt dem Ausfallmanagement eine immer größer werdende Bedeutung zu. Und damit auch der Flexibilität der Pflegekräfte und des Krankenhauses. Wichtig ist es, dass die Interessen beider Seiten gut zusammengebracht werden. Sei es über von einzelnen Pflegekräften gewünschte Arbeitszeitmodelle oder vom Krankenhaus gewünschte Einsatzorte, beziehungsweise Betriebsabläufe. Mehr zum Theme „Flexibilität & Arbeitszeitmodelle“ erfahren Sie auf dem Deutschen Pflegetag am Junge Pflege-Kongress Nordost „Junge Pflege“- „Wer ist hier flexibel, du oder das Arbeitszeitmodell" / 13.03.2020, Halle 5.1 

Zu einer höheren Akzeptanz und Zufriedenheit bei Pflegekräften führt es, wenn Dienstpläne einerseits verlässlich sind, und /oder sie die „Zeitsouveränität“ für einen Teil der zu leistenden Arbeitszeit erhalten. Das meint, dass Pflegekräfte eigenständig darüber entscheiden können, „ob“, „wann“ und zu einem Teil auch „wo“ sie ihre Profession innerhalb des Krankenhauses flexibel zur Verfügung stellen. Die Uniklinik Köln hat ein Modell entwickelt, das den Pflegekräften auf diesem Feld neue Möglichkeiten eröffnet und dem Krankenhaus hilft, die Dienstpläne für das Pflegepersonal verlässlicher zu gestalten. Dieses stellen wir Ihnen auf dem Deutschen Pflegetag 2020 vor:  myShift – eine Möglichkeit offene Dienste zu besetzen / 12.03.2020, Halle 8. Kommen Sie vorbei und wir diskutieren darüber.