25.08.2020 - 12:49

Gesunde Erde – Gesunde Menschen? Was Corona, die Klimakrise und die Pflege verbindet

Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft erschüttert und den Wert von Gesundheit wieder radikal in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Doch auch andere, bereits bestehende Herausforderungen für unsere Gesundheit sind nicht einfach verschwunden, auch wenn sie vielleicht weniger Gehör finden. Immer öfter sind Krisen der Erde auch Krisen der menschlichen Gesundheit: Sei es die Zerstörung des Lebensraums von Wildtieren, durch den die Übertragung neuer Viruserkrankungen zwischen Tier und Mensch gefördert wird, oder der Klimawandel, der uns einen Hitzesommer nach dem anderen beschert. Es wird immer deutlicher: Wie wir mit der Erde und ihren Ressourcen umgehen, wird in Zukunft maßgeblich sein für die Möglichkeit gesunden menschlichen Lebens.


Die Pflege bekommt die Auswirkungen dieser neuen Gesundheitskrisen als erstes zu spüren. Sie weiß, dass die Medizin an ihre Grenzen kommt, wenn die Grundlagen von Gesundheit nicht mehr gegeben sind. Wenn im Sommer die Temperaturen wieder die 35°C-Grenze knacken, kümmern sich Pflegefachpersonen um diejenigen, die am meisten unter Extremwettern leiden, seien es Ältere, Schwerkranke, Chroniker oder Frühgeborene. Und das oft in Kliniken oder Pflegeheimen, in denen es bei hohen Außentemperaturen fast unerträglich heiß wird, weil Kühlung und Verschattung beim Bau meist kein Thema waren. Für alle, die im Gesundheitsbereich arbeiten, heißt es dann, einen kühlen Kopf bewahren, um weiterhin Alte und Kranke zu pflegen, Gesundheit zu bewahren und Leben zu retten – selbst wenn vielleicht sogar die Pflegenden vor Hitze kaum noch klar denken können.


Der August 2020 hat uns erneut gezeigt, wie belastend eine Hitzewelle für unsere Gesundheit und unseren Alltag ist. Dauerhafte Hitze am Tag legt uns lahm – und Hitze in der Nacht macht eine echte Regeneration unmöglich. Dabei ist der Klima-Trend eindeutig und die wissenschaftlichen Prognosen unumstritten: Wir können laut Deutschem Wetterdienst davon ausgehen, dass es innerhalb der nächsten 5 Jahrzehnte in der geografischen Mitte Deutschlands zehn bis fünfzehn tropische Nächte mehr geben wird, in denen die Temperatur die ganze Nacht lang nicht unter 20°C sinkt. Regenerieren können bei solchen Temperaturen weder Pflegende noch Patientinnen und Patienten.

Schon seit Jahren ist klar: Die Klimakrise ist die größte Bedrohung für unsere Gesundheit im 21. Jahrhundert. Die Pflege ist dabei nicht passiv. Der „International Council of Nurses“ hat bereits 2008 ein Positionspapier „Pflegefachpersonen, Klimawandel und Gesundheit“ veröffentlicht, das die Verantwortung der Pflege deutlich macht: Bei der Unterstützung ihrer Patientinnen und Patienten zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels, aber auch als „Anwältinnen und Anwälte“ der Gesundheit bei Forderungen nach mehr Klimaschutz gegenüber Politik und in der Öffentlichkeit.

Doch wie steht es um die Verantwortung des Gesundheitssektors insgesamt? Laut einer Veröffentlichung der internationalen NGO „Health Care Without Harm“ vom September 2019 ist der weltweite Gesundheitssektor für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als der Flugverkehr. Rund 5 % der CO2-Emissionen in Europa gehen auf das Konto von Gesundheitseinrichtungen.

Foto: Thomas Langens

Diskutieren Sie mit auf dem Deutschen Pflegetag am 11. und 12. November 2020!

"Gesunde Erde – Gesunde Menschen“
11. November 2020, 12.30 – 13.30 Uhr, 
in Halle 7.1.

Moderation: Dr. Eckart von Hirschhausen, Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen

Referent*innen: Sylvia Hartmann, Laura-Marie Strützke & Christine Vogler 

Zum Glück tut sich aber einiges: Zahlreiche Initiativen und Akteure entwickeln Lösungen, um das Gesundheitswesen nachhaltiger zu gestalten und auf die nicht verhinderbaren Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Auf dem Deutschen Pflegetag können Sie viele der Akteure, die sich mit den Zusammenhängen von Klimawandel und Pflege beschäftigten, kennen lernen. Dr. Eckart von Hirschhausen und seine Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, Aktivist*innen von Health For Future, Klimamanager*innen und Pflegewissenschaftler*innen – fachkundige Referent*innen mit verschiedensten Perspektiven erläutern die Zusammenhänge und zeigen die anstehenden Herausforderungen und mögliche Lösungswege auf. 

Foto: Julian Feldmann 

Weitere Klima-Veranstaltungen auf dem Deutschen Pflegetag

„Klimawandel und Nachhaltigkeit – Impulse aus Pflegewissenschaft und Praxis“

12. November 2020, 9.30 – 11 Uhr, Halle 5; Moderatorin: Nadine van Maanen
Referent*innen: 

  • Prof. Dr. Norma-May Huss, Esslingen am Neckar (angefragt): Klimawandel und Pflege - Wo stehen wir? Impulse zur aktuellen Forschungslage und Relevanz für die Pflege
  • Dr. Julia Schoierer, München: Anpassung an den Klimawandel - ein Hitzemaßnahmenplan für Pflegeheime
  • Steffen Lembke, Berlin: „klimafreundlich-pflegen“ – Eine Initiative für stationäre Pflegeeinrichtungen
  • Eva Loy, BUND: „Ressourcenverantwortung in der Pflege am Beispiel des Projekts KLIK green“