Dr. Anja Katharina Peters

Dr. Anja Katharina Peters

Dr. Anja Katharina Peters

Mitglied der Arbeitsgruppe „Programmsäule Pflege und Gesellschaft“

· Hochschule Neubrandenburg

· Kinderkrankenschwester, Dipl.-Pflegewirtin (FH), Dr. rer. med.

· Fast 20 Jahre Erfahrung in der Aus-, Fort-, Weiterbildung, Lehre in der Pflege

· Derzeit Professorenvertretung Hochkomplexe Pflege, HS Neubrandenburg

· Vorstandsmitglied DBfK Nordost e.V., Sprecherin Sektion Historische Pflegeforschung in der DGP e.V.

Der Deutsche Pflegetag bedeutet für mich... das aus der Berufsgruppe heraus gestaltete, größte Branchentreffen und wichtigste Kongressevent der professionellen Pflege. Hier definieren wir den aktuellen Wissensstand unserer Profession und gestalten sie aktiv selbst.

Szenario 2030: Wenn sich nichts ändert, wie wird die Pflegelandschaft in naher Zukunft aussehen? Noch weniger Pflegefachleute werden noch mehr Pflegeempfänger:innen versorgen. Mehr als Versorgung ist nicht möglich, weil für die Ausgestaltung des Pflegeprozesses keine Ressourcen vorhanden sein werden. Sogenannte „Grundpflege“ wird endgültig an un- und angelernte Hilfskräfte delegiert. Mühsam im Ausland angeworbene Kolleg:innen verlassen Deutschland aufgrund der unbefriedigenden Arbeitsbedingungen so schnell wie möglich wieder. Wer individuelle Pflege wünscht, braucht Zugehörige, die diese Aufgabe übernehmen. Die Pflegequalität ist gefährlich abgesunken, Deutschland ist nicht mehr pflegewissenschaftliches Entwicklungsland, sondern Wüste.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Pflege aktuell? Pflege muss in Arbeitsbedingungen, Ansehen und Status im Gesundheitsberuf der großartige Beruf werden, der sie mit der Vielfalt der Aufgaben und Disziplinen und ihrer Menschenbezogenheit ist. Wir brauchen die Vollakademisierung nicht nur, um im Niveau international Anschluss zu finden, sondern auch, um angemessene Gehälter aushandeln zu können und auf Augenhöhe mit anderen Berufsgruppen agieren zu können. Gleichzeitig müssen wir die generalistische Pflegeausbildung – ob nun berufsschulisch oder hochschulisch – konsequent an allen Lebensaltern orientiert gestalten und in ein stringentes Weiterbildungskonzept einbetten. Dazu gehören auch durchlässige und inklusive Bildungskonzepte. In Kombination mit innovativen Arbeitszeitmodellen und attraktiven Karrierewegen können wir den Beruf so attraktiv gestalten, wie er es verdient. Das benötigt nach jahrzehntelangem Aussitzen allerdings Zeit. Wie wir als Gesellschaft diese Durststrecke bewältigen sollen – darauf brauchen wir dringend politische Antworten.